Geld verstehen · Kapitel 1

Geld & Inflation

Der größte Teil unseres Geldes wird nicht gedruckt, sondern gebucht. Und der stille Gegenspieler jedes Sparers heißt nicht Börsencrash, sondern Inflation. Beides hängt enger zusammen, als man denkt.

Geld & InflationRendite & RisikoBrutto & NettoRente & VorsorgeGlossar
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Buchgeld

Wie Banken Geld schaffen.

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Inflation

Wie sie gemessen wird.

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Kaufkraft

Nominal, real – und der Zins.

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Notenbank

Was die EZB dagegen tut.

Woher das Geld kommt

Der Großteil des Geldes wird gebucht, nicht gedruckt

Wenn es heißt, die Notenbank „werfe die Druckerpresse an“, ist das ein Bild aus einer anderen Zeit. Bargeld – Scheine und Münzen – macht nur einen kleinen Teil der Geldmenge aus. Der weit größere Teil ist Buchgeld (auch Giralgeld): Zahlen auf Konten, die es nur elektronisch gibt.

Buchgeld entsteht vor allem durch Geldschöpfung: Vergibt eine Bank einen Kredit über 20.000 €, schreibt sie den Betrag dem Konto gut – neues Geld, scheinbar auf Knopfdruck. Nur endet die Geschichte da nicht. Die Bank muss den Kredit refinanzieren: Sie braucht Zentralbankgeld für den Zahlungsverkehr, für die Mindestreserve und für Bargeldauszahlungen. Dieses Zentralbankgeld leiht sie sich zu Zinsen bei der EZB. Genau hier liegt die Grenze der Geldschöpfung – und der Hebel der Geldpolitik.

Merke: Banken können nicht unbegrenzt Geld schaffen. Refinanzierungskosten, Eigenkapitalvorschriften und die Nachfrage nach Krediten setzen die Grenzen.

Die Geldmengen M0 bis M3

Volkswirte unterscheiden, wie „geldnah“ ein Guthaben ist:

M0Zentralbankgeld (Bargeld + Guthaben der Banken bei der Notenbank)
M1Bargeld + täglich fällige Einlagen
M2zusätzlich kurzfristige Spar- und Termineinlagen
M3zusätzlich Geldmarktpapiere und kurzlaufende Schuldverschreibungen

Zahlst du Bargeld ein, wird daraus Buchgeld. Hebst du ab, wird wieder Bargeld daraus. Die Geldmenge insgesamt ändert sich dadurch nicht.

Wie Inflation entsteht und gemessen wird

Ein Warenkorb aus über 300.000 Einzelpreisen

Inflation ist der Anstieg der Preise gegenüber einem Vergleichszeitraum – meist dem Vorjahresmonat. Das Statistische Bundesamt erfasst dafür Monat für Monat über 300.000 Einzelpreise in Geschäften, Katalogen und im Internet, gruppiert in zwölf Güterkategorien und gewichtet nach ihrem Anteil an den Konsumausgaben. Das Wägungsschema wird alle fünf Jahre überprüft.

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Angebotsbedingte Inflation

Unternehmen geben steigende Kosten für Rohstoffe oder Löhne über höhere Preise weiter (Kosteninflation). Oder sie erhöhen Preise, um den Gewinn zu steigern (Gewinninflation) – möglich vor allem bei großer Marktmacht.

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Nachfragebedingte Inflation

Die Nachfrage übersteigt, was produziert oder geliefert werden kann. Knappheit eröffnet Firmen den Spielraum, die Preise anzuheben.

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Deine persönliche Rate

Wer kein Auto hat, spürt steigende Benzinpreise kaum. Die offizielle Rate ist ein Durchschnitt – die eigene kann deutlich abweichen. Das Statistische Bundesamt bietet dafür einen persönlichen Inflationsrechner an.

Der stille Vermögensverlust

Was Inflation mit deinem Ersparten macht

Selbst harmlos klingende Raten wirken über die Zeit heftig. Die Kaufkraft von heute 1.000 € auf dem Konto – ohne jede Verzinsung – schrumpft in zehn Jahren bei

  • 2 % Inflation auf rund 820 €
  • 3 % Inflation auf rund 744 €
  • 4 % Inflation auf rund 676 €

Der Betrag auf dem Kontoauszug bleibt gleich. Nur kaufen kann man sich dafür immer weniger. Genau das ist der Grund, warum „nichts tun“ beim Geld keine sichere Option ist, sondern eine Entscheidung mit Kosten.

Kaufkraft von heute 1.000 €ohne Zinsen · Beispielrechnung

Rechnerisch: 1.000 € geteilt durch (1 + Inflationsrate) hoch Anzahl Jahre.

Die wichtigste Unterscheidung

Nominal ist die halbe Wahrheit, real die ganze

Was die Bank an Zinsen zahlt, ist der Nominalzins. Entscheidend ist aber, was nach Abzug der Inflation übrig bleibt: der Realzins.

  • Realzins positiv → das Vermögen wächst tatsächlich
  • Realzins bei null → der Wert bleibt gerade erhalten
  • Realzins negativ → der Wertverlust wird nur gebremst

Dasselbe gilt für das Gehalt: Eine Erhöhung unterhalb der Inflationsrate ist nominal ein Plus, real ein Minus – der Reallohn sinkt. Kommt dann noch die kalte Progression dazu, zahlt man sogar mehr Steuern, ohne real mehr zu verdienen.

Konsequenz für die Geldanlage: Mit Tagesgeld allein ist echter Vermögensaufbau kaum möglich – die Realverzinsung ist meist minimal oder negativ. Wer real wachsen will, braucht eine Rendite oberhalb der Inflation, nach Kosten und Steuern.
Die andere Seite der Medaille

Preise steigen – Einkommen aber auch

Alarmierende Grafiken zum „Wertverfall des Euro“ zeigen nur die halbe Rechnung. Zum vollständigen Bild gehört die Lohnentwicklung. Rechnet man Preise in Arbeitszeit um, sind viele Güter über die Jahrzehnte günstiger geworden – dank steigender Löhne und Produktivitätsfortschritten.

Nötige Arbeitszeit für den EinkaufMinuten · 1970 vs. 2023

Besonders deutlich bei langlebigen Gütern: Für einen Kühlschrank musste man 1970 rund 51 Stunden arbeiten, 2023 noch gut 36 Stunden.

Preisstabilität als Auftrag

Warum die EZB 2 % anstrebt – und nicht 0 %

Die EZB sieht Preisstabilität erreicht, wenn die Inflation mittelfristig bei 2 % liegt. Das klingt widersprüchlich, hat aber zwei gute Gründe.

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Sicherheitsabstand zur Deflation

Ein moderater Preisanstieg hält Abstand zu fallenden Preisen – die für eine Notenbank deutlich schwerer zu bekämpfen sind als Inflation. Zusätzlich puffert er kleine Messfehler bei der Preiserhebung ab.

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Rücksicht auf die Euro-Länder

Die Rate für den Euro-Raum ist ein Durchschnitt. Bei einem Null-Prozent-Ziel müssten einzelne Länder dauerhaft negative Raten haben. 2 % lässt Spielraum nach oben, ohne andere in die Deflation zu drücken.

Das Werkzeug

Der Leitzins – und wie er wirkt

Achtmal im Jahr entscheidet der EZB-Rat über die Leitzinsen. Sie legen fest, zu welchen Konditionen Banken sich bei der Notenbank Zentralbankgeld leihen. Ist in den Medien vom „Leitzins“ die Rede, ist meist der Hauptrefinanzierungssatz gemeint.

Zinsen steigen

Refinanzierung wird für Banken teurer – sie geben das über höhere Kreditzinsen weiter.

Kredite werden unattraktiv

Es wird weniger investiert und weniger auf Pump konsumiert. Sparen lohnt dagegen mehr.

Nachfrage sinkt

Weniger Nachfrage bremst die Preise. Umgekehrt stimuliert eine Zinssenkung die Konjunktur.

Ein zweites Instrument ist die Mindestreserve: Sie erhöht oder senkt den Bedarf der Banken an Zentralbankgeld. Im Euro-Raum kommt sie zur Steuerung allerdings kaum zum Einsatz.

Das andere Extrem

Warum fallende Preise gefährlich sind

Deflation klingt verlockend, kann eine Volkswirtschaft aber in eine tiefe Krise stürzen. Konsumenten warten auf noch niedrigere Preise, die Einnahmen der Unternehmen sinken, Fixkosten wie Mieten und Löhne lassen sich nicht schnell genug senken – es drohen Investitionsstopps, Entlassungen, Insolvenzen. Das verunsichert die Verbraucher weiter: die Deflationsspirale.

Hinzu kommt: Schulden werden real schwerer, weil die Nominalsumme gleich bleibt, während Einnahmen und Löhne sinken. Steigende Kreditausfälle treffen dann die Banken.

Das eigentliche Problem: Eine Inflationswelle kann die Notenbank notfalls mit drastischen Zinserhöhungen brechen. Senken kann sie den Zins aber nur bis null. Danach bleiben nur unkonventionelle Mittel wie Anleihekäufe („Quantitative Easing“) oder Negativzinsen – mit ungewissem Erfolg.

Das Wichtigste aus Kapitel 1

  • Der Großteil des Geldes ist Buchgeld und entsteht bei der Kreditvergabe
  • Die Geldschöpfung ist begrenzt – über Refinanzierungskosten bei der Notenbank
  • Inflation misst ein gewichteter Warenkorb, die persönliche Rate weicht ab
  • Entscheidend ist der Realzins, nicht der Nominalzins
  • Tagesgeld erhält den Wert bestenfalls, es baut kaum Vermögen auf
  • Deflation ist für eine Notenbank schwerer zu bekämpfen als Inflation

Weiter zu Kapitel 2

Wenn Sparen allein nicht reicht: Wie viel Rendite realistisch ist – und welchen Preis sie hat.