Der größte Teil unseres Geldes wird nicht gedruckt, sondern gebucht. Und der stille Gegenspieler jedes Sparers heißt nicht Börsencrash, sondern Inflation. Beides hängt enger zusammen, als man denkt.
Wenn es heißt, die Notenbank „werfe die Druckerpresse an“, ist das ein Bild aus einer anderen Zeit. Bargeld – Scheine und Münzen – macht nur einen kleinen Teil der Geldmenge aus. Der weit größere Teil ist Buchgeld (auch Giralgeld): Zahlen auf Konten, die es nur elektronisch gibt.
Buchgeld entsteht vor allem durch Geldschöpfung: Vergibt eine Bank einen Kredit über 20.000 €, schreibt sie den Betrag dem Konto gut – neues Geld, scheinbar auf Knopfdruck. Nur endet die Geschichte da nicht. Die Bank muss den Kredit refinanzieren: Sie braucht Zentralbankgeld für den Zahlungsverkehr, für die Mindestreserve und für Bargeldauszahlungen. Dieses Zentralbankgeld leiht sie sich zu Zinsen bei der EZB. Genau hier liegt die Grenze der Geldschöpfung – und der Hebel der Geldpolitik.
Volkswirte unterscheiden, wie „geldnah“ ein Guthaben ist:
| M0 | Zentralbankgeld (Bargeld + Guthaben der Banken bei der Notenbank) |
| M1 | Bargeld + täglich fällige Einlagen |
| M2 | zusätzlich kurzfristige Spar- und Termineinlagen |
| M3 | zusätzlich Geldmarktpapiere und kurzlaufende Schuldverschreibungen |
Zahlst du Bargeld ein, wird daraus Buchgeld. Hebst du ab, wird wieder Bargeld daraus. Die Geldmenge insgesamt ändert sich dadurch nicht.
Inflation ist der Anstieg der Preise gegenüber einem Vergleichszeitraum – meist dem Vorjahresmonat. Das Statistische Bundesamt erfasst dafür Monat für Monat über 300.000 Einzelpreise in Geschäften, Katalogen und im Internet, gruppiert in zwölf Güterkategorien und gewichtet nach ihrem Anteil an den Konsumausgaben. Das Wägungsschema wird alle fünf Jahre überprüft.
Unternehmen geben steigende Kosten für Rohstoffe oder Löhne über höhere Preise weiter (Kosteninflation). Oder sie erhöhen Preise, um den Gewinn zu steigern (Gewinninflation) – möglich vor allem bei großer Marktmacht.
Die Nachfrage übersteigt, was produziert oder geliefert werden kann. Knappheit eröffnet Firmen den Spielraum, die Preise anzuheben.
Wer kein Auto hat, spürt steigende Benzinpreise kaum. Die offizielle Rate ist ein Durchschnitt – die eigene kann deutlich abweichen. Das Statistische Bundesamt bietet dafür einen persönlichen Inflationsrechner an.
Selbst harmlos klingende Raten wirken über die Zeit heftig. Die Kaufkraft von heute 1.000 € auf dem Konto – ohne jede Verzinsung – schrumpft in zehn Jahren bei
Der Betrag auf dem Kontoauszug bleibt gleich. Nur kaufen kann man sich dafür immer weniger. Genau das ist der Grund, warum „nichts tun“ beim Geld keine sichere Option ist, sondern eine Entscheidung mit Kosten.
Rechnerisch: 1.000 € geteilt durch (1 + Inflationsrate) hoch Anzahl Jahre.
Was die Bank an Zinsen zahlt, ist der Nominalzins. Entscheidend ist aber, was nach Abzug der Inflation übrig bleibt: der Realzins.
Dasselbe gilt für das Gehalt: Eine Erhöhung unterhalb der Inflationsrate ist nominal ein Plus, real ein Minus – der Reallohn sinkt. Kommt dann noch die kalte Progression dazu, zahlt man sogar mehr Steuern, ohne real mehr zu verdienen.
Alarmierende Grafiken zum „Wertverfall des Euro“ zeigen nur die halbe Rechnung. Zum vollständigen Bild gehört die Lohnentwicklung. Rechnet man Preise in Arbeitszeit um, sind viele Güter über die Jahrzehnte günstiger geworden – dank steigender Löhne und Produktivitätsfortschritten.
Besonders deutlich bei langlebigen Gütern: Für einen Kühlschrank musste man 1970 rund 51 Stunden arbeiten, 2023 noch gut 36 Stunden.
Die EZB sieht Preisstabilität erreicht, wenn die Inflation mittelfristig bei 2 % liegt. Das klingt widersprüchlich, hat aber zwei gute Gründe.
Ein moderater Preisanstieg hält Abstand zu fallenden Preisen – die für eine Notenbank deutlich schwerer zu bekämpfen sind als Inflation. Zusätzlich puffert er kleine Messfehler bei der Preiserhebung ab.
Die Rate für den Euro-Raum ist ein Durchschnitt. Bei einem Null-Prozent-Ziel müssten einzelne Länder dauerhaft negative Raten haben. 2 % lässt Spielraum nach oben, ohne andere in die Deflation zu drücken.
Achtmal im Jahr entscheidet der EZB-Rat über die Leitzinsen. Sie legen fest, zu welchen Konditionen Banken sich bei der Notenbank Zentralbankgeld leihen. Ist in den Medien vom „Leitzins“ die Rede, ist meist der Hauptrefinanzierungssatz gemeint.
Refinanzierung wird für Banken teurer – sie geben das über höhere Kreditzinsen weiter.
Es wird weniger investiert und weniger auf Pump konsumiert. Sparen lohnt dagegen mehr.
Weniger Nachfrage bremst die Preise. Umgekehrt stimuliert eine Zinssenkung die Konjunktur.
Ein zweites Instrument ist die Mindestreserve: Sie erhöht oder senkt den Bedarf der Banken an Zentralbankgeld. Im Euro-Raum kommt sie zur Steuerung allerdings kaum zum Einsatz.
Deflation klingt verlockend, kann eine Volkswirtschaft aber in eine tiefe Krise stürzen. Konsumenten warten auf noch niedrigere Preise, die Einnahmen der Unternehmen sinken, Fixkosten wie Mieten und Löhne lassen sich nicht schnell genug senken – es drohen Investitionsstopps, Entlassungen, Insolvenzen. Das verunsichert die Verbraucher weiter: die Deflationsspirale.
Hinzu kommt: Schulden werden real schwerer, weil die Nominalsumme gleich bleibt, während Einnahmen und Löhne sinken. Steigende Kreditausfälle treffen dann die Banken.
Wenn Sparen allein nicht reicht: Wie viel Rendite realistisch ist – und welchen Preis sie hat.